Knabbern – aber richtig! Ist Holz gefährlich?

Geschrieben am August 29, 2012

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Pferde knabbern. Meist zum Leidwesen von Stallbesitzern, Stallbauern, Zäunebauern und Boxenbesitzern. Es gibt lange Diskussionen darüber, was dieses Knabbern verursacht: Mineralmangel, Langeweile, Protest gegen die Haltungsweise, den Nachbarn, den Reiter und seine Reitweise, Zahnschmerzen oder vernachlässigte Zähne?

 Alles mag richtig sein. In dem ein oder anderen Fall zutreffen. Oder eben nicht. Da mag es sich in einem Fall tatsächlich um einen Mangel handeln, im nächsten Fall um puren Stress eines sensiblen Tiers, in einem anderen um Langeweile oder um Protest und natürlich um schmerzende Zähne.

Fakt ist: Knabbernde Pferde können mir nichts dir nichts ganze Wälder vernichten. Naja, vielleicht nicht ganz, aber dem stolzen Paddockbauer mag es manchmal so vorkommen. Da rückt man dann mit den feinsten, cleversten und teuersten Antiknabber-Mitteln an, während der Nachbar gerade armeweise Äste und Holz zur Unterhaltung seines Lieblings im Winter auf den Paddock schafft.

Wer sich also sicher ist, dass es seinem Pferd nicht an Mineralstoffen oder Vitaminen mangelt und die Zähne erst vor 3 Wochen hat kontrollieren lassen, dem bleibt nur, darauf zu achten, dass er seinem Pferd nicht gerade das falsche Holz „serviert“. Das gilt für verbautes Holz ebenso wie rein zur Unterhaltung gedachtes Holz.

Viele Hölzer sind vor allem im frischen Zustand für Pferde nicht gerade gesund. In vielen Fällen spielt es eine Rolle, ob das Holz entrindet wurde oder nicht. Frisches Holz ist in der Anfangsphase oft gerade für Pferde nicht ungefährlich. Kiefer, Lärche, Fichte, Tanne und Douglasie dünsten in der ersten Zeit Terpetin-Öle aus, die schwach giftig sein können. Als Bauholz oder Zaunpfähle sollten die Hölzer erst verwendet werden, wenn sie weniger als 18% Holzfeuchte haben.

 Heimische Eichenarten wie Stiel- oder Traubeneiche enthalten vor allem in der Rinde Tannine (Gerbsäure), die vor allem in sehr frischem Zustand gesundheitlich nicht unbedenklich sind. Auch hier kommt es naürlich auf die Menge und die Empfindlichkeit des Pferdes an. Am besten sollte Eichenholz entrindet verwendet werden.

 Buchenholz an sich ist unbedenklich. Aber da Buchenholz sehr feuchtigkeitsempfindlich ist, hat es eine geringe Resistenz gegen bestimmte Pilze. Um das Vorhandensein von Mycotoxinen auszuschließen, sollte auf die Trockenheit des Holzes geachtet werden. Wir sprechen hier übrigens ausschließlich über das Holz der Buche. Ihre Früchte, die Bucheckern, sind für Pferde giftig. Die tödliche Dosis liegt bei 1 kg Eckern.

 Nicht geeignet sind Robinie und Eibe. 150 gr. Robinienrinde sind für Pferde tödlich, übrigens auch für die meisten anderen Nutztiere. Eibe wird wegen seiner Giftigkeit als Bauholz erst gar nicht angeboten. Es besteht für Laien die Verwechslungsgefahr mit Tanne. „Spiel“- Holz und Äste also besser überprüfen lassen.

 Eigentlich sollten Pferde mit gesundem Instinkt Giftpflanzen meiden. Das ist leider bei unseren domestizierten Reitpferden nicht immer der Fall. Gerade neugierige und knabberlustige Tiere vergreifen sich oft an allem, was in Reichweite ist.

 Deshalb sind auch Liguster oder Buchsbaumhecken keine Bepflanzung, die in Pferdenähe etwas zu suchen hat.

Wenn wir nicht über Bauholz reden, sondern über „Spielholz“, dann sind praktisch alle Obstbaumhölzer und andere Weichhölzer möglich. Bei sehr harzhaltigen Bäumen wie der Kiefer sollte der Rindenanteil nicht zu hoch werden. Weide, Birke und Haselnuss sind geeignete „Spielhölzer“. Nicht vergessen: wir reden hier über Knabbereien. Vielfraße, die in der Lage sind, ganze Baumkronen in zwei Tagen zu vertilgen unterliegen besonderer Achtsamkeit. Egal, was wir servieren.

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